Das Postskriptum – fast vergessen

Was ich noch schreiben wollte...

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In einer Zeit, als man (und frau) Briefe noch aufwändig per Hand schrieb oder mühsam mit einer mechanischen Schreibmaschine tippte, war es der Retter für alles Vergessene: Das Postskriptum, liebevoll „PS:“ abgekürzt.

Es bewahrte den Schreiber davor, sein mühevoll erstelltes Schriftstück in den Papierkorb zu werfen und von Neuem beginnen zu müssen.

Aber nicht nur übersehene Kleinigkeiten oder nachträglich Wichtiges konnten mit dem Postskriptum am Ende eines Briefes angefügt werden. Oft genug wurde es auch genutzt, um etwas besonders augenfällig hervorzuheben:

Im geschäftlichen Briefverkehr eignete sich das „PS:“ hervorragend, um auf Termine aufmerksam zu machen, unaufdringlich neue Produkte und Dienstleistungen anzupreisen oder schlicht eine „Call-to-action“ unterzubringen.

Besonders beliebt waren die beiden Buchstaben bei privater Korrespondenz. Schließlich konnte kaum ein vor Romantik triefender Liebesbrief zweier Turteltauben auf den kitschigen wie obligatorischen Liebesschwur „PS: Ich hab Dich lieb!“ verzichten. ❤️

Was Postskriptum eigentlich bedeutet?

„PS:“ – das ist die Abkürzung für den Begriff „Postskriptum“. Wenn Dir das nun nicht spanisch vorkommt, sondern lateinisch – Volltreffer!

Das lateinische „post“ bedeutet „nach“ (Spötter behaupten, deshalb käme die Post immer so spät… – was damit aber natürlich nichts zu tun hat) und „skriptum“ leitet sich vom Verb „scribere“, also „schreiben“, „eintragen“ oder „zeichnen“ ab.

Wie man „PS:“ im Briefverkehr richtig einsetzt

Was wäre die deutsche Sprache ohne irgendeine Institution, die (mehr oder weniger verbindliche) Regeln dafür erlässt?

Vermutlich einfacher, aber das soll hier nicht das Thema sein. So oder so, jedenfalls kommt auch unser kleines „PS:“ nicht regulierungslos davon.

Das „Deutsche Institut für Normung e.V.“ hat in seiner DIN-Norm 5008 Schreib- und Gestaltungsregeln für Texte festgelegt, die sich vornehmlich auf den professionellen Briefverkehr zwischen Unternehmen beziehen.

Diese Norm sieht vor, dass ein Postskriptum mit mindestens einer Zeile Abstand zwischen dem Brieftext eingefügt wird. Okay, da wäre ein logisch denkender Schreiber vermutlich auch von alleine drauf gekommen. Aber es muss ja alles seine Richtigkeit haben.

Mit Punkt, mit Doppelpunkt, mit mehreren Ps?

Wichtiger für Dich zu wissen ist aber, dass laut allgemein anerkannten Rechtschreibregeln einzig und allein die Abkürzung „PS:“ (mit Doppelpunkt) zulässig ist. Häufig gesehene Varianten wie „PS.“, „P.S.“ oder „P.S.:“ sind falsch. Warum? Isso.

Vergessliche Briefeschreiber fügen gerne mehrere Postskripta (Plural!) ihren Werken hinzu und verwenden dafür Abkürzungen wie „PPS:“, „PPPS:“ oder „PPPPS:“ oder – ach, lassen wir das. Sowas sieht zwar komisch aus (und macht meiner Meinung nach irgendwie keinen Sinn), wäre aber durchaus regelkonform und formal nicht zu beanstanden.

Nach wie vielen Ps Du besser Deinen Brief tatsächlich von Neuem beginnst, dazu gibt es von offizieller Stelle keine Empfehlung. Ich rate allen Volumenschreibern, es bei einem einzigen „PS:“ zu belassen und gegebenenfalls mehrere Absätze (gerne auf separatem Blatt) beizufügen. Oder ihr Mitteilungsbedürfnis ein klein wenig zu zügeln. 😉

Das Postskriptum und die elektronische Textverarbeitung

Nun werden die wenigsten von uns ihre Tagespost noch per Hand mit Füllfederhalter auf Büttenpapier bei Kerzenschein niederschreiben, sondern die modernen Errungenschaften der computerisierten Datenverarbeitung nutzen.

Und da hat das Postskriptum tatsächlich einen schweren Stand: Das Einfügen von Vergessenem oder das Hervorheben wichtiger Abschnitte in „fett und bunt“ ist wenig mehr als einen Mausklick entfernt.

Trotzdem hat das „PS:“ meiner Meinung nach weiterhin seine Berechtigung:

Zum einen kann man damit wunderbar im Geschäftsverkehr Marketing betreiben („PS: Nicht vergessen – die 20% Rabatt gibt es nur bis Ende des Monats!“) oder notorische Zuspätkommer elegant wie unaufdringlich an Termine erinnern („PS: Der Abgabeschluss für Arbeiten ist der 31.12. um 12.00 Uhr!“).

Zum anderen… tja, was bleibt mir jetzt noch als Texter Tobi an meine treuen Leser zu schreiben? Richtig, definitiv nur das Eine:

PS: Ich hab Euch alle lieb! 🙂

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Über Tobias Eichner
Als kreativer Schreiberling macht es mir Spaß, aufs Punkt und Komma genau zu texten. Dieses Portal soll ein Nachschlagewerk und eine Anlaufstelle für alle sein, die sich näher mit der deutschen Sprache auseinandersetzen möchten.