„die Zeit zwischen den Jahren“ – gibt’s doch gar nicht… oder?

Sind diese Tage einfach zeitlos?

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Der Übergang zwischen dem alten und dem neuen Jahr wird „die Zeit zwischen den Jahren“ genannt. Aber was genau steckt dahinter und was hat das Alte Ägypten damit zu tun?

Wir gehen auf eine kleine Zeitreise…

Bedeutung von „die Zeit zwischen den Jahren“

Also eigentlich schreibe ich heute über Unsinn, denn es gibt natürlich keine Zeit zwischen den Jahren. Am 31. Dezember um 23.59 Uhr endet ein Jahr und bereits kurz darauf am 1. Januar um 0.00 Uhr steht schon das neue Jahr in den Startlöchern.

Trotzdem gehört es zum Brauchtum fast aller Kulturen der Erde, die letzte Woche des ausgehenden Jahres und die erste Woche des beginnenden Jahres als eben jene Zeit anzusehen, die irgendwo dazwischen liegen soll.

Die Lösung: Mond- und Sonnenkalender

Und obwohl diese Tage in keinem Kalender auftauchen, haben sie genau damit zu tun: Die Jahreseinteilung des Mondkalenders unterscheidet sich nämlich von der des Sonnenkalenders.

Dem Mondkalender fehlen genau elf Tage (und zwölf Nächte) zum astronomisch korrekten Sonnenumlauf von 365 Tagen. Also musste man ein bisschen schummeln, damit am Ende wieder alles passte.

So entstand ein Zeitraum, der zwar in dem einem Kalender vorhanden war, im anderen jedoch nicht – genau das ist die Zeit zwischen den Jahren.

Ägyptische Hochkultur

Im Alten Ägypten nannte man diese besonderen Tage „Heriu-renpet“. Und auch hier gab es ganz praktische Gründe: Damals war jeder der zwölf Monate genau 30 Tage lang. Die verbliebenen fünf Tage wurden einfach angehängt.

Wobei die ägyptische Zeit „zwischen den Jahren“ noch der Nilschwemme im Juni (in der Jahreszeit „Achet“) zugeordnet war und zwischen den Monaten „Ipet-hemet“ („Jahresschließer“, Erntezeit) und „Wepet-renpet“ („Jahresöffner“, Aufgang des Sterns Sirius in der Morgendämmerung) lag.

Römische Antike

Dir wird das langsam zu kompliziert? Dann warte mal ab…

Im Römischen Kalender (der häufiger mal reformiert wurde) begann das Jahr am 1. März mit einer Feier im Tempel der Vesta. Allerdings wurde im Jahr 153 vor unserer Zeitrechnung der Beginn der Amtszeit römischer Konsuln 1] sowie der neue Jahresanfang auf den 1. Januar gelegt.

1] Ja, die Mehrzahl von „Konsul“ lautet nicht „Konsule“, sondern „Konsuln“.

Später entstanden diverse Konflikte mit der Religion des Christentums, welche am 25. Dezember das Weihnachtsfest beging. In Rom huldigte man an diesem Tag dem Sonnengott Sol Invictus.

Das wollten die Christen natürlich nicht auf sich sitzen lassen und feierten am 6. Januar zusätzlich ein Fest namens „Erscheinung des Herrn“.

Und schon hatte man einen Zeitraum zwischen zwei religiösen Feierlichkeiten, die somit den Bogen zum Begriff „zwischen den Jahren“ spannten. Die spinnen, die Römer und die Christen!

Wie sieht es heute aus?

Tja, lassen wir einmal diverse Aspekte des Götteraberglaubens außer Acht, dann ist die „Zeit zwischen den Jahren“ für viele Menschen vor allem eines: ziemlich hektisch!

Ferien, Urlaub, diverse Feiertage, lange Partynächte, Silvester- und Neujahrsfeiern… da steht man dann schon gerne mal neben sich. Also auch irgendwie dazwischen. Und so passt diese Redewendung mit der Zeit zwischen den Jahren doch eigentlich ganz gut! 🙂

Worttrennung

  • Zeit zwi·schen den Jah·ren

Aussprache (nach IPA)

  • t͡saɪ̯t ˈt͡svɪʃn̩ deːn ˈjaːʁən

Beispielsätze

»Ich habe mir für die Zeit zwischen den Jahren nichts weiter vorgenommen. Einfach nur relaxen ist angesagt!« freute sich Max auf ein paar erholsame Tage.

Die Zeit zwischen den Jahren ist für viele Menschen besonders stressig.

In der Zeit zwischen den Jahren wird gerne gefeiert.