Der Deppenapostroph – manchmal sinnvoll?

Von Deppen und Apostrophen...

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Apostroph – ja oder nein?

Geht gar nicht: Der Plural-Apostroph

Das ist wirklich die Sorte der unverzeihlichen Fehler, bei welcher ich sofort den Rotstift ansetze. Ein Apostroph passt hier überhaupt nicht. Nein! Nie! Never!

FALSCH: Ich saß mit dem Album meiner Urlaubsfoto’s auf einem der beiden Sofa’s und suchte mir dabei die Info’s der Reiseroute vom letzten Jahr heraus.

RICHTIG: Ich saß mit dem Album meiner Urlaubsfotos auf einem der beiden Sofas und suchte mir dabei die Infos der Reiseroute vom letzten Jahr heraus.

Dasselbe gilt natürlich auch für Abkürzungen (gerne gesehen in einschlägigen Elektrofachmärkten): CDs, DVDs, Videos – immer ohne Apostroph!

Weshalb man bei einem Mehrzahl-s überhaupt der Versuchung erliegt, einen Apostroph zu setzen, kann ich mir nicht erklären. Sogar im Englischen (das viele selbst ernannte Sprachkritiker für die übermäßige Verwendung des Apostrophen verantwortlich machen) ist das absolut unbekannt.

Die Sache mit dem Genitiv-s

Zuerst einmal: „Genitiv“ meint den „Wessen-Fall“ („Wessen Auto ist es?“ – „Susi’s/Susis Auto!“). Ich weiß, Du wusstest das natürlich, aber andere Leser vielleicht nicht. 😉

Die Sitte, hier einen Apostroph zu setzen, stammt definitiv aus der englischen Sprache, wie Dir die folgenden Beispiele zeigen:

  • Tobi’s Nightclub [Firmenname]
  • We visited Mark’s grandparents last week. [Übersetzung: Wir besuchten letzte Woche Mark’s/Marks Großeltern.]

Die offiziellen Regeln im Deutschen sind hier ein wenig komplexer, da sie den Apostroph nur in diesen Fällen erlauben:

  • Bei Namen die auf s, ss, ß, tz, z, x und ce enden.
    • Beispiel: Tobias’ Website
  • Zur Verdeutlichung der Grundform eines Namens.
    • Beispiel: Andrea’s Autowerkstatt [… die ohne Apostroph ansonsten schnell in das Eigentum von Andreas übergehen könnte.]
  • Vor der Adjektivendung „-sch“.
    • Beispiel: Ohm’scher Widerstand

Ich sehe die Nutzung des Apostrophen an dieser Stelle allerdings etwas lockerer. Immerhin hat sich der Apostroph beim Genitiv-s im Lauf der Zeit eingebürgert. Diese Tatsache kann niemand wegdiskutieren.

Eine Sprache entwickelt sich eben vornehmlich durch ihre Sprecher weiter. Das sollte man wertfrei akzeptieren, deshalb geht die „deutsche Kultur“ noch lange nicht unter (manche Sprachkritiker machen daraus einen richtiggehend nationalistischen Feldzug).

Wer den Apostroph nicht nutzen mag, tut es eben nicht. Wer es tut, bitteschön. Ich finde dabei nichts Verwerfliches. Entscheide einfach selbst, was sich für Dich „schöner“ liest:

  • Michael’s Computer – Michaels Computer
  • Susi’s neues Auto – Susis neues Auto
  • Gerda’s freizügige Hemdbluse – Gerdas freizügige Hemdbluse
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Über Tobias Eichner
Tobias Eichner ist als freiberuflicher IT- & Business-Consultant sowie Softwareentwickler tätig. Als Gründer und Geschäftsführer von TOBIAS EICHNER IT + CONSULTING schreibt er regelmäßig für unseren Blog. Tobias studierte Wirtschaftsinformatik und Betriebswirtschaftslehre in Deutschland.